Jeden Montag ein Gedanke. Mal über den Glauben, mal über den Alltag, mal lang, mal kurz. Was immer gerade dran ist. Manchmal geht es um eine Stelle aus der Bibel, manchmal um eine Kleinigkeit aus der Woche davor, die mehr zu sagen hat, als sie auf den ersten Blick vermuten lässt.
Die Montagsgedanken begleiten Wunderpunkt seit vielen Jahren. Die ersten hundert davon gibt es inzwischen auch als Buch, liebevoll gestaltet und zum Immer-wieder-Aufschlagen gemacht. Online bleibt alles, was es bisher gab, und jede Woche kommt ein neuer dazu.
Wohin
lässt du dich treiben? – wirst du getrieben?
wie ein Treibholz.
Treibst du durch das Meer? – Wirst du an den Strand angetrieben?
Und bist einfach da.
Unbeachtet
Von den großen Wellen – inmitten all des anderen Treibguts
zwischen Wasser Muscheln, Sand, Steinen und der Welt.
Wovon
lässt du dich treiben ? – wirst du getrieben?
rastlos, pausenlos, ausruhend, wohltuend.
In deinem Sein, – In dieser Welt,
Beachtet – unbeachtet.
hier.
Wozu
lässt du dich treiben? – wirst du getrieben?
Entscheidest du?
Hast du die Wahl?
Für das
Wohin
Wovon
Wozu?
#wunderpunkt #montagsgedanke #treiben
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Machtlosigkeit
Ein etwa fünfjähriger Junge wirft ein Handy in den Gulli. Das klingt genauso absurd, wie es war.
Vor einiger Zeit war ich mit dem Auto unterwegs. An einer Ampel wartete ich. Währenddessen nahm ich zwei Jungs auf dem Gehweg wahr. Der eine lief dem anderen hinterher. Ich hatte den Eindruck, sie würden Fangen spielen. Aber weit gefehlt. Einer lief mit einem Handy in der Hand vor dem anderen weg. Immer schneller in Richtung Straßenecke, bückte sich und warf mit Schwung das Handy in den Gulli.
Und ich?
Ich rief noch, trotz verschlossener Scheiben, sehr laut: „Nein, mach das nicht!“
Aber ich konnte nichts ändern. Die ganze Autofahrt und auch jetzt noch, viele Monate danach, muss ich immer wieder an diese Situation denken.
Und manchmal frage ich mich … ob Gott wohl auch manchmal machtlos der Freiheit zuliebe ruft: Nein, mach das nicht!
#wunderpunkt #montagsgedanke #machtlos
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Aufhören heißt nicht aufzugeben
Letztens wollte ich unsere Gartenbank gemeinsam mit Caro wieder zusammenbauen.
Währenddessen ist uns aufgefallen, dass wir zu kurze Schrauben gekauft haben.
Es war 20.10 Uhr und daher gab es keine Möglichkeit, es zu ändern.
So verblieb nur: Aufzuhören. Das fiel uns nicht so leicht wie gedacht.
Überhaupt habe ich den Eindruck, dass Aufhören vielen Menschen nicht so leichtfällt.
Denn hinter dem Aufhören lauert das Aufgeben, behaupten zumindest einige.
Ich hingegen sehe das ganz anders.
Aufhören schützt. Es schützt vor Überforderung, überflüssiger Wiederholung, „Auflösung“, und schafft Freiheit für Neues oder Anderes. Und manchmal lehrt sie auch Geduld. Wie bei der Bank.
#wunderpunkt #montagsgedanke #aufhören
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Fühlst du dich erlöst?
„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannes 3,16)
Kannst du das glauben?
Manchmal, selten, kann auch ich das nicht glauben. Weder dass ich erlöst bin noch dass mir durch Jesu Tod und Auferstehung die Tür zum ewigen Leben offensteht.
Und dann gibt es da Ostern. Jedes Jahr Ostern. Mehr als nur eine Erinnerung an ein Ereignis. Mehr als eine Idee. Sondern eine lebensverändernde Wirklichkeit.
Und manchmal, öfter, glaube ich das. Und fühle mich dadurch auch erlöst.
Frohe und gesegnete Ostern!
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In der letzten Folge unseres Podcasts Löwen und Lämmer haben Tobias, Matthäus und ich über Erlösung gesprochen. Die Folge findest du überall, wo es Podcasts gibt.
#wunderpunkt #montagsgedanke #erlösung #löwenundlämmer #ostern
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Frische Luft
Wenn man lange mit Menschen in einem Raum zusammensitzt, wird die Luft irgendwann stickig. Das kennt man aus der Schule, der Arbeit und dem überfüllten Zug danach.
Dicke Luft überall. Auch im Miteinander.
Und wir vergessen immer wieder einfach mal ein Fenster aufzumachen. Pause machen. Energie tanken. Erkennen, dass wir nur in einem kleinen Raum sind und draußen unglaublich viel frische Luft ist.
Aber wenn man erstmal ʼne Weile drin ist, fällt einem das gar nicht auf. Wie die Konzentration sinkt, man nicht mehr klar denkt und erschöpft wird. Und erst wenn man kurz draußen war und wiederkommt, sagt man:
„Boah ist hier schlechte Luft, ist es ok wenn ich das Fenster aufmache?“
Gibt es CO₂-Messer auch für Gespräche?
Wenn nicht, wird es höchste Zeit.
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Danke Sophie für diesen Montagsgedanke!
#wunderpunkt #montagsgedanke #luft
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Aua
Schmerzen sind belastend.
Schmerzen sind unangenehm.
Schmerzen sind allgegenwärtig.
Wenn mir etwas weh tut verzerrt sich mein Gesicht. Andere sagen dann „Gute Besserung!“ oder fragen „Kann ich dir was Gutes tun?“, weil sie mir wünschen, dass es so schnell wie möglich vorbei ist.
Ich wünsche mir das auch.
Wenn etwas Schlimmes passiert, dann tut das auch weh, aber anders. Es gibt viele Beschreibungen für diesen Schmerz: „Brustkorb zugeschnürt“, „Stein im Magen“, „Herz zerspringt“, …
Auch hier soll es bitte schnell vorbei gehen.
Schmerzen begleiten uns das ganze Leben, wie ein treuer Hund. Und sie kommen immer wieder, egal wie viele Stöckchen man wirft.
Manche Schmerzen sucht man sich aus, andere nicht.
Manchmal ist es von Vorteil den schmerzhaften Weg zu gehen, statt des leichten, weil am Ende ein wunderschöner Ausblick vom Gipfel wartet.
Es ist ein bitteres Gewürz, das zeigt wie süß Zucker eigentlich ist.
Und eins haben sie alle gemeinsam: Schmerzen sind vergänglich.
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Danke an Sophie für diesen Montagsgedanken!
#wunderpunkt #montagsgedanke #aua #schmerz
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Nichtmals der Grabstein bleibt
Friedhof, ein Sonnentag, ein Spaziergang.
Da liegen sie: Steine.
Nicht zwei, fünf, sondern viele Steine.
Mit Namen, Daten, Sätze, Gedanken.
Grabsteine.
Hinweise der Erinnerung.
Hingeworfen, zerstört, liegengelassen
Vergessen.
Schröder, Hörster, August Killing.
Namen, Daten, Sätze, Gedanken.
Erinnerungen.
Nicht einmal das bleibt.
Hier.
Aber dort,
Irgendwo,
ewig.
Ohne Steine.
bleiben
wir.
#wunderpunkt #montagsgedanke #ewigkeit
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Leerzeichen
Das häufigste Zeichen in der Bibel ist das Leerzeichen.
Das finde ich schon beeindruckend.
Nicht die Zeichen an sich, sondern das, was dazwischensteht, kommt am häufigsten vor.
Das Dazwischen, lateinisch inter-esse, das Leerzeichen ist gleichzeitig am unscheinbarsten.
Wie schön ist es, dass wir diese Zwischenleere auch Leere sein lassen dürfen: manchmal sagt uns ein Bibelvers auch nichts; oder manchmal dürfen wir diese Leere auch mit unseren Gedanken füllen.
Für mich heißt das in besonderer Weise: Wir sind herausgefordert und aufgefordert die Bibel auch in unser Leben zu übersetzen. Noch mehr deutlich zu machen: Es ist Gottes Wort in Menschen Wort. Es kommt auch drauf an, was da zwischen den Zeilen und Worten steht, wovon wir uns noch heute berühren lassen.
Zusatzinfo 1: Das Leerzeichen ist in den meisten modernen Büchern in europäischen Sprachen das häufigste Zeichen.
Zusatzinfo 2: Wie viele Einsen und Nullen es braucht, um die Bibel nachzuschreiben, findet ihr in unserem Reel von letzter Woche.
#wunderpunkt #montagsgedanke #leerzeichen
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Maßlos
Manchmal habe ich den Eindruck, wir leben in einer Zeit der Maßlosigkeit.
Wir haben das Maß verloren. Es gibt immer weniger Orientierungspunkte, an denen Menschen sich festhalten können oder wollen – und oft ist es einfach nie genug. Immer besser, weiter, größer. Wie früher. Wie gestern. Nur nicht wie jetzt.
Auch ich merke dabei, wie leicht man in eine maßlose „Dunkelheitsstimmung“ geraten kann. Paulus schreibt dagegen:
„Ich sage das nicht, weil ich Mangel leide; denn ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden: Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch den, der mich stärkt.“ (Phil 4,11 – 13)
Vielleicht ist das Gegenstück zur Maßlosigkeit nicht weniger, sondern bewusster. Nicht der Zwang, immer mehr zu wollen, sondern das Vertrauen, dass genug schon längst da ist.
#wunderpunkt #montagsgedanke #maßlos
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Klarkommen
Am vergangenen Donnerstag endete die Gruppentherapie, zu der ich jetzt fast ein Jahr jede Woche hingehen durfte.
Dieses Ende war und ist für mich immer noch kein gutes Gefühl.
In vielen Dingen komme ich sehr gut mit Aufhören klar. Aber in manchen gar nicht, so auch hier.
Ich fühle mich noch nicht bereit dafür, ohne jeden Donnerstag eine Einstiegsrunde, Themen, „was sagt die Gruppe“, Pause, Themen, Abschlussrunde zu haben. Das und die Menschen dort waren für mich ein wöchentlicher Ankerpunkt, an dem ich mich festgehalten habe und festhalten konnte.
Und jetzt ist es erstmal vorbei, auch wenn dieses Jetzt alles andere als überraschend kam.
Jetzt soll ich also ohne klarkommen. Und ich weiß nicht, ob ich das gut kann.
Was mache ich nun daraus? Vielleicht schreibe ich jeden Donnerstag zwischen 11.30 Uhr und 13.20 Uhr einen Text.
Vielleicht mache ich einen Instaaccount mit meinen Gedanken, Fragen, Dunkelheiten. Quasi Selbsthilfegruppe als Community … vielleicht einen Podcast.
Irgendwas, nicht um von meinen Gefühlen und Themen abzulenken,
sondern um weiterhin ein kleines bisschen besser mit diesen klarzukommen.
#wunderpunkt #montagsgedanke #klarkommen
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Wie spät bist du dran?
Wie spät ist es?
Seltsame Frage dachte ich letztens. Spät im Vergleich zu was?
Das hat was von: so und so viel Zeit ist bereits vergangen oder „ich bin ein bisschen spät dran“.
Und dann dachte ich an: Wie spät bist du dran?
An was? Im Vergleich zum wem? Zu spät? Oder zu früh? Und wie sehr binden wir unsere Lebenshandlungen an die Zeit? Während für Gott „tausend Jahre wie ein Tag sind“ (2. Petrus 3,8)
Wie spät ist es in deinem Leben?
#wunderpunkt #montagsgedanke #zeit #leben
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Wo gibt es Orte ohne Handy in deinem Leben?
Das habe ich mich heute gefragt. So ganz grundsätzlich ohne Handy, also nicht einmal draufschauen, auch nicht auf die Uhrzeit.
Eure Antworten auf diese Frage würden mich sehr interessieren. Teilt sie doch in den Kommentaren.
Ich bin erstaunt, wie wenige es bei mir sind.
Unter der Dusche, vor dem Spiegel beim Zähneputzen, Schlafend im Bett (Gott sei Dank), die Spaziergangrunde mit Simba unserem Hund, in der Kirche beim Gottesdienst, im Garten sowie beim Gartentor meines Nachbarn, Fahrradstrecken, die ich kenne, im Gruppentherapieraum, im Theater oder Kino (während des Films)…und dann wird es schon schwierig.
Ich würde gerne noch unseren Esstisch nennen, aber das wäre nicht wahr…
Ob das schlimm ist? Keine Ahnung. Aber mindestens interessant, vielleicht auch erschreckend.
Was sind deine Orte ohne Handy?
#wunderpunkt #montagsgedanke
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Unsterblich
Ich möchte ungern unsterblich auf dieser Erde sein. Wenn überhaupt, dann ohne lange nachzudenken, als abstinenter Vampir.
Umso befremdlicher finde ich die Vorstellung, dass einmal ein digitaler Avatar entstehen könnte.
Ein digitales Abbild von mir: Gedacht, um „für immer hier zu sein“. Denn ich glaube: Es ist gut, dass Dinge enden. Dass sie aufhören dürfen.
Ich halte es sogar für wohltuend, dass dieses Leben hier ein Ende hat. Ja, das ist oft traurig. Schmerzhaft. Lebensverändernd. Aber gerade ein Abschied, der hier eine gewisse sterbliche Endgültigkeit besitzt, macht deutlich: Wir sind hier nicht grenzenlos und nicht beliebig verlängerbar.
Und trotzdem bin ich froh, dass es die Ewigkeit gibt, sehr sogar. Aber sie ist etwas anderes als ein Server, der nicht abgeschaltet wird.
#wunderpunkt #montagsgedanke #endlichkeit #unsterblichkeit
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Wie weit?
Wie weit kann ich gehen? Diese Frage hat eine schöne Doppeldeutigkeit.
Zum einen: Wie weit, also welche Entfernung, kann ich gehen. Oder wie weit bin ich für eine Sache oder einen Menschen, bereit zu gehen.
In der Einleitung zur Bergpredigt sagt Jesus: „Wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm!“
Das verschiebt die Frage des Wie-weits aus meiner Sicht ein wenig in Richtung eines Entscheidenden-zulassens.
Was bin ich bereit, zu geben? Wo beginnen meine Grenze, wo endet meine bereitwillige Freiwilligkeit?
Ergänzung: Die Spiegelung der Person wurde mithilfe von KI erstellt.
#wunderpunkt #montagsgedanken
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100 Montagsgedanken
Kann man sich überhaupt so viele Gedanken machen? An manchen Tagen dachte ich: „Geht so, und jetzt auch noch ein Montagsgedanke.“ An anderen fiel es mir dagegen ganz leicht, weil mir der Gedanke im Alltag begegnet ist oder ich schon länger eine Idee dazu hatte.
Die Gedanken sind ganz unterschiedlich. Nicht alle stammen von mir, Max. Manche haben einen deutlicheren Bezug zu Glauben oder Spiritualität, andere erschließen sich erst auf den zweiten, oder zehnten, Blick.
Was mich immer wieder bewegt hat: Wie viele Gedanken sind wohl aus diesen 100 Montagsgedanken entstanden? Wie viele Menschen haben sie gelesen – und was ging ihnen dabei durch den Kopf? Sind daraus nicht noch viele, ja sehr viele weitere Gedanken entstanden? Vielleicht hat manch eine Person sogar eine neue Perspektive für sich und ihren Glauben entdeckt. Und mit Blick auf diese 100 Gedanken frage ich mich: Wo und wie oft kam Gott wohl auch im Verborgenen vor?
Ich bin froh, dass wir diese Gedanken geschrieben haben und dass wir sie weiter schreiben. Ich bin dankbar für die Perspektiven, die sich durch das Schreiben auch bei mir eröffnet haben. Es war und ist eines der ersten wunderpunkt-Projekte und das nun seit 100 Wochen.
Danke allen fürs Lesen, Schreiben und Gedankenmachen.
#montagsgedanken #wunderpunkt
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Im Sommer führte mich eine Autofahrt mitten durch die Stadt. Es war recht warm, und daher waren beide Fenster komplett geöffnet. Als der Verkehr an einer Ampel zum Stehen kam, flog plötzlich eine Libelle durch die Beifahrerseite hinein – sagte kurz Hallo – schwirrte an mir vorbei und verschwand auf der anderen Seite wieder in die Ferne.
Für einen kurzen Moment schien die Zeit stillzustehen. Wäre in der Zwischenzeit die Ampel auf Grün gesprungen, hätte ich es wohl verpasst. Kurz darauf setzte auch schon wieder der Alltag ein.
Zu Hause angekommen, dachte ich noch eine Weile über diese Begegnung nach – darüber, wie sehr uns die Natur umgibt, auch wenn sie nicht mehr überall sichtbar ist. Sie war schon lange vor uns da, während wir Menschen uns im Laufe der Zeit ziemlich breit gemacht haben. Und ich dachte an die kleine Libelle, die hoffentlich gut zu ihrem Ziel gefunden hat.
Wann hat das letzte Mal ein unerwarteter Gast bei dir vorbeigeschaut?
Danke Thore für diesen Montagsgedanken!
#wunderpunkt #montagsgedanken
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