Fragen, Zitate, Gedanken. Ein kurzer Text, ein Bild, ein Gedanke. Was du mitnimmst? Das liegt ganz an dir.
Die Montagsgedanken erscheinen, wie könnte es anders sein, immer montags bei Insta. Sie greifen Gedanken auf, die uns im Laufe der Woche begegnet sind. Mal ist es ein Satz, mal nur ein Wort, was wir in der Welt, in Serien, in Filmen, in Gesprächen oder auch ganz wo anders wahrgenommen haben und mit dir teilen möchten.
Sprachnot
Da sind wir also, mitten in Indien - Akku leer, kein Internet – und der Bus kommt nicht.
Entspannter Tag, ein kleiner Trip an den Rand von Delhi zum Roten Fort, bevor wir am nächsten morgen aus Neu-Delhi weiterziehen. Alles gut durchgeplant.
Und jetzt gestrandet.
Und auf einmal kommt eine ganz seltene Form der Einsamkeit auf.
Ovid schrieb im Exil darüber: die Einsamkeit, nicht verstanden zu werden.
Zuhause ist da, wo man deine Sprache spricht. Wo man dich versteht.
Und jetzt stehen wir hier ohne Plan, ohne Google Translator und es wird kalt.
Umgeben von Menschen, aber selten so isoliert gefühlt.
Warten wir noch auf den Reisebus? Vielleicht kommt er ja doch noch?
Wir haben Tickets, vielleicht lässt der nächste uns rein. Gibt‘s nen nächsten?
Tough ohne Internet. Man kann uns die Panik im Gesicht ablesen.
Und dann macht das jemand.
Ein alter Mann kommt auf uns zu, fragt uns mit fetzenhaften Englisch und Google Translate, ob wir Hilfe bräuchten. Wir antworten mit unseren ausgedruckten Bustickets und Angst in den Augen.
Er kenne jemanden von nem anderen Busunternehmen. Er ruft da kurz an, gibt uns ein Taxi aus, wünscht uns ‘ne gute Reise. Keine Stunde später ist alles geklärt - wir können gratis Plätze in nem Bus nach Neu-Delhi auffüllen.
Manche Sprachen spricht man wohl überall.
Wir schlafen völlig fertig im Sleeper-Bus ein. Fühlen uns irgendwie ein bisschen zuhause.
Danke Tim für diesen Montagsgedanken!
#wunderpunkt #montagsgedanken
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Momentan, wo sich das Jahr wieder dem Ende zuneigt und es in den letzten Wochen kälter geworden ist, erinnere ich mich gut an eine Zeit, als im Frühjahr die Vögel wieder regelmäßig zu zwitschern begannen.
Ich denke an einen Tag zurück, an dem die Sonne allmählich den gefrorenen Boden zum Tauen brachte. An diesem Tag fasste ich den Entschluss, meine Kamera wieder aus der Schublade zu holen und mich auf den Weg in den Wald zu machen, um ein paar Fotos zu schießen. Nach einigen Aufnahmen und Begegnungen – wenn auch eher aus der Ferne – mit verschiedenen Vögeln entdeckte ich auf einer Lichtung eine kleine Parkbank. Ich dachte, das wäre nun vielleicht ein schöner Moment, um schon mal ein paar Aufnahmen zu sichten. Kaum saß ich, war mein Blick schnell auf das kleine Display der Kamera gerichtet, ohne die Umgebung um mich herum wirklich wahrzunehmen.
Nach einer Weile legte ich die Kamera jedoch zur Seite und wagte einen Blick in die Weite. Und so saß ich da – einfach so. Was mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist: Es war erstaunlich erholsam, obwohl die Zeit gar nicht so lang war. Eine kleine Pause. Nicht geplant, einfach erlebt.
Oft denke ich, dass ich keine Zeit für solche Momente finde. Aber vielleicht ist es viel wichtiger, sich das gar nicht so oft einzureden. Und einfach offen dafür zu sein, solchen Momenten zu begegnen.
Wann hattest du deine letzte erholsame Pause?
Danke Thore für diesen Beitrag!
#wunderpunkt #montagsgedanken
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Drei Wochen war ich in Schweden, davon den größten Teil in Mittelschweden. Wenig Menschen, viele Tiere, Wälder, Seen, Ruhe, grüne, teils unberührte und unbetretene Natur: eine Kathedrale Gottes.
Mehrfach bin ich an Orte gekommen, an denen ich mich gefragt habe: Ob wohl da hinten, da hinter den riesigen Steinen oder unten in dieser super tiefen Schlucht schonmal Menschen waren? Wie viele Orte gibt es wohl, an denen noch kein Mensch war? Und wie viele natürliche Orte gibt es noch, an denen der Mensch kein Unheil anrichtet?
An einem Abend wurden wir mit Polarlichtern „beschenkt“, wie meine Frau immer sagt. Und während ich da, in der Kälte am Bootssteg stand, auf den See blickte, erfüllte mich Dankbarkeit für die ganzen Momente und Erlebnisse in dieser Kathedrale Gottes und ich sprach: Danke Gott.
#montagsgedanken #wunderpunkt
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„Lasst euch auch selbst als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus aufbauen.“
1. Petrus 2,5
Der Spruch stört mich.
Ich versteh ja die Intention und so, aber mir is das viel zu brachial. Steine suggerieren Tragfähigkeit, Stabilität - ein festes Fundament.
Wichtig, klar, aber ne Kirche nur aus Steinen klingt nach nem düsteren, kalten Ort..
Ich überleg mir noch, was ich werde.
Vielleicht warmes Holz, auf dem man sich gerne ne Stunde ausruht nach ner langen Arbeitswoche. Das den hektischen Schall abdämpft und für Stille sorgt.
Vielleicht werd ich hübsches Glas, das manchmal warme Sonne von draußen reinlässt oder bunte Farben auf den Boden wirft, in die man sich verlieben kann.
Stein zu sein ist eigentlich auch cool - mit Tradition und Mission für ein ewig stabiles Weiterbestehen sorgen. Last abzufangen und auch abgeben können. Standhaft zu bleiben für seinen Glauben.
Hauptsache es gibt nicht nur Steine. Man soll sich ja auch wohlfühlen.
Danke Tim für den Montagsgedanken!
#wunderpunkt #montagsgedanke
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Im Foyer des Wuppertaler Hauptbahnhofs werden derzeit die prämierten und ausgewählten Bilder eines Fotowettbewerbs der Stadt ausgestellt. Als ich die kleine Ausstellung neulich an einem Abend entdeckte, schlenderte ich noch eine Weile zwischen den aufgestellten Wänden umher.
Nach etwa der Hälfte sprach mich ein älterer Herr an. Was genau er zu Beginn sagte, weiß ich leider nicht mehr – aber wir kamen daraufhin ins Gespräch. Über die Stadt und die Bilder. Danach schauten wir uns jede einzelne Aufnahme noch einmal in Ruhe gemeinsam an. Beim Austausch über die Gedanken, die uns in den Sinn kamen, verging die Zeit erstaunlich schnell.
Zum Abschluss bedankten wir uns beide für das nette Gespräch, wünschten uns noch einen schönen Abend und gingen schließlich unserer Wege, auf denen wir für ein paar Minuten eine gute Unterbrechung gefunden hatten.
Und ich stellte einmal mehr fest, wie zufällig Begegnungen entstehen können und dass manchmal nur die richtigen Menschen unerwartet zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein müssen, damit besondere Momente entstehen.
Danke Thore für diesen Montagsgedanken
#wunderpunkt
#montagsgedanken
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Seinen Platz finden
Seit ich politisch aktiver bin und das auch offener kommuniziere, begegnet mir immer wieder die Aussage: „Ich bewundere, was XY macht. Ich wäre auch gerne so aktiv, aber ich schaffe das nicht.“
Die Gründe dafür sind verschieden: zu wenig Zeit, Angst vor Repressionen, finanzielle Hürden, sich nicht informiert genug fühlen, Angst davor, sich in große Menschenansammlungen zu begeben, das Gefühl, nicht die notwendigen Fähigkeiten mitzubringen, sich unwohl fühlen, laut auf einer Demo zu rufen…
Dabei geht es vielmehr darum, seinen Platz zu finden, und weniger um die vermeintlich EINE perfekte Art aktiv zu sein.
Du hast das Bedürfnis, für etwas einzustehen? Für Demokratie? Für deinen Glauben? Für Menschenrechte? Dafür, dass alle Menschen ein Leben in Würde führen können? Für Gerechtigkeit? Für ein bisschen von allem? Dann bringst du die wichtigste Eigenschaft bereits mit. Jetzt musst du nur noch rausfinden, wo dein Platz sein kann. Die Frage ist also weniger, wie kannst du jemand werden, der du nicht bist, sondern wie können deine Fähigkeiten, die du ohnehin hast, dazu beitragen, dass wir gemeinsam als Menschen eine bessere Zukunft für alle formen.
Vielleicht bist du superkreativ und es fällt dir leicht, inspirierende Kunst zu erschaffen. Vielleicht kennst du viele Menschen, die du miteinander verbinden kannst. Vielleicht hast du Material oder Tools, die du anderen zur Verfügung stellen kannst. Vielleicht kannst du sehr gut zuhören, vielleicht hast du einen Ort, an dem andere Menschen sich ausruhen und Energie tanken können, vielleicht kannst du gut reden, vielleicht auch gute Reden formulieren, vielleicht kochst du super gutes Essen, vielleicht hast du medizinisches Wissen, vielleicht gibst du auch einfach die besten Umarmungen der Welt… egal was es ist, alles kann seinen Teil dazu beitragen.
Was es auch ist, wenn wir uns mehr als Gemeinschaft verstehen, dann ist eine Welt in der alle würdevoll leben können nicht nur möglich, sondern die einzig logische Folge. Davon bin ich überzeugt.
Danke Clara für diesen Montagsgedanken
#wunderpunkt #montagsgedanken
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Freiheit klingt oft nach etwas Großem, nach weitem Horizont, nach Politik und Geschichte. Aber manchmal entscheidet sie sich im ganz Kleinen, an einem Stück Papier, an einem Ticket für Bus oder Bahn. Mehrfach kein Fahrschein, kein Geld – und dann kann es Gefängnis bedeuten. Weil Armut sichtbar und bestraft wird.
Der Freiheitsfonds kauft Menschen frei, die wegen Schwarzfahrens in Haft sitzen. Er bezahlt Strafen, die sie selbst nicht tragen können, und schenkt Freiheit zurück. Darin liegt nicht nur ein Akt der Gerechtigkeit, sondern auch ein Echo biblischer Geschichten: um den Gefangenen Freilassung auszurufen / und den Gefesselten Befreiung. (Jesaja Kapitel 61 Vers 1). Freiheit ist kein Privileg für wenige, sondern Zusage für alle.
Am 27.11. ist Freedom Day. Ein Tag, der daran erinnert, dass Freiheit nie selbstverständlich ist. Sie ist zerbrechlich, sie ist politisch, und sie ist zutiefst persönlich. Vielleicht bedeutet sie für mich heute, nicht wegzusehen, nicht zu schweigen, sondern meinen Teil dazu beizutragen, dass Menschen in Freiheit leben können.
#wunderpunkt #montagsgedanken
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Vor ziemlich genau einem Monat begann ein neues Studium für mich. In diesem Monat kam nicht nur inhaltlich vieles Neue auf mich zu, sondern ich durfte auch viele freundliche Menschen kennenlernen. Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Städten, manche haben zuvor Ähnliches studiert wie ich, andere wiederum ganz andere Fächer. Besonders spannend finde ich, welch beeindruckende Geschichten viele von ihrem bisherigen Weg bereits erzählen konnten.
Doch nicht nur die bisherigen Werdegänge sind vielfältig. Die Gruppe besteht aus verschiedenen Charakteren, die eine breite Palette an Interessen und eine große Menge an Wissen verbindet. Bereits nach diesen ersten Wochen fällt auf, dass durch die vielen Perspektiven, unterschiedlichen Erfahrungen und Meinungen zahlreiche tolle Ideen entstehen, bei denen jede einzelne von der Gruppe wertgeschätzt wird.
Alle vereint also nicht nur, den gleichen Studiengang auf dem Papier ausgewählt zu haben, sondern auch das gemeinsame Interesse, durch die Umsetzung von Ideen gesellschaftliche Momente zu schaffen, die etwas bewegen können. Dieses Miteinander und die Fülle an Ideen in so kurzer Zeit fand ich zum einen sehr beeindruckend und gleichzeitig inspirierend.
Wann hast du dich das letzte Mal inspiriert gefühlt?
Danke Thore für diesen #montagsgedanken #wunderpunkt
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KI und Glaubwürdigkeit
In letzter Zeit entdecke ich immer wieder Texte, die aus meiner Sicht darauf hindeuten, dass sie mithilfe oder gar komplett von einer KI geschrieben worden sind: Impulse, Einführungen von Newslettern, ganze Artikel.
Ich selbst finde KI faszinierend und sie hilft mir in vielen Situationen. Gleichzeitig versuche ich, stets aufmerksam gegenüber seltsamen, falschen, mittelmäßigen oder gar irreführenden Texten zu sein.
Der letzte Text, bei dem ich eine KI-Erzeugung vermutet habe, war die Vorstellung eines Kaplans in einer Gemeinde. Ich habe ihn dann gefragt, ob der Text mithilfe von KI erzeugt worden ist. Diese Frage stelle ich in solchen Situationen öfter und sie ist auch Teil meiner eigenen Unsicherheit. Die genannte Vorstellung war komplett KI erzeugt, wie im Anschluss zugegeben worden ist.
Was ich (leider nur) mich allerdings gefragt habe: Warum wurde die Verwendung von KI nicht gekennzeichnet? Eitelkeit, Normalität …?
Eine Nichtkennzeichnung halte ich für gefährlich und auch seltsam. Gefährlich weil etwas für „menschengemacht“ gehalten wird, was es nicht ist. Und das trägt die Gefahr in sich, dass Glaubwürdigkeit und Authentizität verloren gehen.
Ich gebe zu: auch wir bei wunderpunkt haben oftmals versäumt, KI erzeugte Inhalte, insbesondere Bilder und die Erzeugung von Untertiteln, zu kennzeichnen. Das war und ist falsch.
Daher werden wir ab sofort eine solche Kennzeichnung in jede Caption schreiben, wenn wir KI erzeugte Inhalte verwenden.
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Die gekennzeichneten Fische in diesem Beitrag wurden durch Künstliche Intelligenz erstellt.
#wunderpunkt #montagsgedanke
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Ist Rage Mode angebracht?
„Rage Mode ist angebracht.“
Dieser Satz begegnete mir letzte Woche und ließ erst einmal ein Fragezeichen zurück.
Klar, es gibt vieles, über das man sich aufregen kann, teils sogar zu Recht.
Aber ist es wirklich angemessen? Und was bringt es eigentlich?
In solchen Momenten kommen mir zwei Zitate in den Sinn:
„Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben. Nur Licht kann das. Hass kann Hass nicht vertreiben. Nur Liebe kann das.“ – Martin Luther King Jr.
und
„Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute.“ – Römer 12,21
Ich glaube, dass es Wege gibt, die genau das versuchen:
am Guten festzuhalten, das Gute immer wieder möglich zu machen und so Hass, Dunkelheit und Bosheit zu besiegen.
Ist Rage Mode also angebracht?
Manchmal kann ich auch nicht anders, als mich übelst aufzuregen.
Aber ich will versuchen, es öfter anders zu machen.
#montagsgedanke #wunderpunkt
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Stadtbild
Zum Stadtbild wurde mittlerweile vermutlich mehr als genug gesagt. Es gibt viele Dinge, die mir in den letzten Tagen dazu durch den Kopf geschwirrt sind – wie so oft gehören dazu viele weitere Zusammenhänge. Und wer ein ernsthaftes Interesse an einer lebenswerten Gesellschaft für alle hat, sollte diese ganzheitlich betrachten. Aber es gibt da einen Punkt, auf den ich diese „Debatte“ gerne noch einmal zurücklenken würde, der für meinen Geschmack in den letzten Tagen zu wenig Fokus bekommen hat:
Wenn Merz von einem „Problem im Stadtbild“ spricht, trifft das vor allem männliche, migrantisch gelesene Menschen. Sie werden zum Symbol der Gefahr gemacht – nicht als Individuen gesehen, sondern als Störfaktor pauschalisiert.
Diese Worte wirken: Sie bedeuten mehr Misstrauen, mehr Kontrollen, mehr Ausgrenzung – im schlimmsten Fall den Tod.
Und das trifft migrantisch gelesene Männer doppelt. Denn sie leiden nicht nur unter Rassismus, sondern auch unter patriarchalen Erwartungen, die ihnen keine Verletzlichkeit zugestehen. In der Öffentlichkeit wird ihr Schmerz oft unsichtbar gemacht – etwa, wenn von „Frauen und Kindern“ gesprochen wird, als ob Männer nicht hungern, trauern, sterben würden.
Merz’ Aussage ist kein Zufall, sondern Teil eines Systems, das bestimmte Körper als gefährlich markiert und andere als schützenswert. Wer so redet, verschärft die Spaltung – und entmenschlicht diejenigen, deren Leid ohnehin in öffentlichen Debatten allzu oft vergessen wird.
Es liegt an uns, diese Narrative zu brechen. Sichtbar zu machen, was uns verbindet – und laut zu widersprechen, wenn andere uns trennen wollen. Rassismus ist keine Meinung. Und Menschlichkeit ist keine Verhandlungssache.
~ Clara
#wunderpunkt #montagsgedanke
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Sommer ist wieder vorbei und das macht mich traurig. Zu kurz irgendwie. Zu schnell vergangen. Gerade eben hab ich mich noch gefreut, dass ich im T-Shirt rausgehen kann und jetzt ist es wieder Zeit für mehrere Schichten. Und dann sind meine Fingerspitzen immer noch kalt.
War der Sommer irgendwie kürzer als sonst?
Und jetzt ein Jahr warten.
Miese Krise.
Ich liebe Herbst! Die Blätter, die Farben, endlich wieder meinen Lieblingsschal auspacken. Kastanien habe ich schon so lange nicht mehr gesammelt und ich habe Lust mal wieder einen Kürbis zu schnitzen! Welches Gesicht mach` ich diesmal? Letztes Jahr hatte ich ein einfaches, vielleicht probier` ich diesmal was ganz verrücktes!
Alles schon zu lange her gewesen.
Ich will direkt anfangen.
Womit zuerst?
Manchmal habe ich das Gefühl ein Jahr ist genau richtig. Kurz genug, dass man sich noch genau an letztes Jahr erinnert, aber lang genug, dass man es nicht satt hat, wenn sich was wiederholt. Jeder Feiertag, jedes Stadtfest, Urlaubstradition, Jahreszeit. Immer wieder dasselbe, aber immer wieder auch nicht.
Alle Jahre wieder.
Und so wie ich jetzt darüber trauere, dass der Sommer vorbei geht, so sehr freue ich mich auf den neuen Herbst.
Vielleicht sogar ein kleines bisschen mehr.
Danke Sophie für diesen Beitrag!
#wunderpunkt #montagsgedanke
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Neulich bei einem kleinen Jazzkonzert in einem Café kehrte nach den ersten gespielten Stücken eine besondere Ruhe ein. Bei gedimmtem Licht und inmitten verschiedenster Klänge, die sich wie feine Fäden durch den Raum zogen, fühlte es sich fast so an, als würde man schweben.
Dieser Moment war durch eine ruhige, warme und fast schon meditative Atmosphäre geprägt. Der Alltag spielte zu diesem Zeitpunkt keine Rolle – alles, was zählte, war die Ohren zu spitzen und der Musik zu lauschen. Ohne Eile, ohne viele Gedanken – einfach nur zu sein.
Im Nachhinein würde ich sagen: Es fühlte sich erstaunlich leicht an. Nicht wie eine Feder, die sich im Wind treiben lässt und über weite Strecken getragen wird, sondern noch gemächlicher. Vielleicht wie das Gefühl, im Wasser zu treiben. Wenn das Gewicht verschwindet und man durch die Strömung nur etwas auf der Stelle hin und her bewegt wird. Besonders auch die Vielfalt der Stücke und Klänge trugen zu diesem Zustand bei. So war der ganze Abend von Momenten geprägt, die allesamt ein bisschen das Schweben ermöglichten.
Wann hast du dich das letzte Mal so leicht gefühlt?
T.W.
#montagsgedanke #wunderpunkt
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Erinnerst du dich an deinen 18. Geburtstag?Wie war dieser?
So wie du es dir vorgestellt hattest?
Oder war es ganz anders? War dieses anders gut oder schlecht?
Diese Frage stelle ich ab und an Menschen, die ich neu kennenlerne. Denn die Erzählungen, Eindrücke, Momente und vielleicht die ganze Art und Weise wie die Menschen über ihren 18. Geburtstag sprechen, verraten ein bisschen was über die Person.
Ich selbst kann mich gar nicht mehr an meinen 18. Geburtstag erinnern. Nicht wegen Alkohol oder sowas, sondern, weil er nicht Teil meiner Erinnerungen ist. Vielleicht war er mir nicht wichtig oder vielleicht hatte ich zu der Zeit so viele andere Fragen (insbesondere, was ich mit meinem Leben eigentlich machen möchte). Gerade habe ich nachgeschaut, dass es ein Sonntag war; wahrscheinlich war ich in der Kirche beim Gottesdienst.
Das einzige, woran ich mich gut erinnern konnte… ab dem Tag konnte ich meine Entschuldigungen für die Schule selbst schreiben.
#wunderpunkt #montagsgedanke
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Vorhin habe ich ein Stück Holz bearbeitet. Und während ich da so schnitt und schliff, dachte ich: Schreiner:in ist schon ein toller Beruf. Und gleich danach kam die Frage: Was würde ich sonst noch gerne werden? Bestatter vielleicht. Oder Goldschmied.
Diese Frage nach dem „gerne wären“ klingt vielleicht kindlich und tief zugleich. Kinder antworten darauf ohne Zögern: Astronaut! Tierärztin! Fußballprofi!
Erwachsene, ich kann mich da nicht ausnehmen, dagegen beginnen oft zu rechnen: „Was ist realistisch?“, „Was bringt Sicherheit?“, „Was macht Sinn?“ Dabei vergessen wir manchmal, dass hinter dem „Was ich gerne wäre“ oft eine Sehnsucht steckt: nach Gestalten, nach Begleiten, nach Schönem, nach Sinn.
Und irgendwo dazwischen liegt dieses sperrige Wort „Berufung“. Es klingt groß, fast zu groß für den Alltag. Und doch beginnt sie oft ganz unspektakulär – vielleicht beim Schleifen eines Holzstücks oder im Gespräch mit einem Menschen. Vielleicht da, wo sich das „Ich muss“ und das „Ich darf“ nicht mehr widersprechen.
Wo beginnt Berufung, wo hört Beruf auf? Und was ist einfach nur Arbeit? Vielleicht lassen sich diese Grenzen gar nicht so scharf ziehen. Vielleicht ist Berufung nicht nur das Ziel, sondern ein Weg – ein Hören auf das, was in mir ruft. Und vielleicht ist sie auch weniger eine Antwort als eine Einladung: immer wieder neu zu fragen, wer ich gerne wäre. Vielleicht auch im Sinne: „Jeder soll das tun, wozu Gott ihn berufen hat, und bei dem bleiben, was er vom Herrn empfangen hat.“ (1 Kor 7,17)
Also: Wer wärst du gerne – heute? Und was ruft dich vielleicht schon längst, ohne dass du es gemerkt hast?
#montagsgedanke #wunderpunkt
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Kilogramm ist keine Einheit für Selbstbewusstsein.
Letzte Woche erzählte mir eine Person, dass sie regelmäßig auf ihr Äußeres angesprochen wird – auf das, was andere an ihr sehen, und weniger auf das, was sie denkt, fühlt, glaubt oder lebt. Und diese Person berichtete, dass ihr das zunehmend zu schaffen macht.
Ich finde es befremdlich, wenn Menschen auf ihr Äußeres reduziert werden.
Und ich frage mich: Wer hat eigentlich gesellschaftlich entschieden, Kilogramm in Verbindung zu Selbstbewusstsein zu setzen? Wer hat festgelegt, dass die Anzeige einer Waage mehr über den Wert eines Menschen aussagen soll als sein Herz, seine Geschichte, seine Würde?
Szenenwechsel: In der Woche davor hatten wir Eröffnungsgottesdienst der Firmvorbereitung. Dabei wurde unter anderem der Vers aus dem ersten Buch Samuel gelesen, dass Gott einen anderen Blick hat: „Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der HERR aber sieht das Herz“ (Kapitel 16 Vers 7). Für Gott zählt nicht die Zahl auf der Waage, nicht die Form oder die äußere Gestalt, sondern das Innere, das, was das Leben trägt, das, was manchmal verborgen scheint und doch unendlich wertvoll ist.
Vielleicht wäre es ein Anfang, wenn wir uns gegenseitig immer wieder daran erinnern: Unser Wert lässt sich nicht in Kilogramm bemessen, sondern in der unantastbaren Zusage Gottes, dass wir geliebt sind. Selbstbewusstsein entsteht nicht durch Spiegelbilder oder Maßbänder, sondern durch das Bewusstsein, dass Gott „Ja“ zu uns sagt.
Kilogramm mag eine Einheit für Gewicht sein. Aber für Selbstbewusstsein, für Würde, für die innere Stärke, die von Gott kommt, taugt diese Einheit nicht.
#wunderpunkt #montagsgedanke
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